Die Geschichte

 
     
  Vor dem ersten Weltkrieg befand sich die Schienenfahrzeugindustrie Nürnbergs in ihrer Blütezeit. Die Fahrzeuge der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) aus diesen Jahren waren technisch und gestalterisch richtungsweisend für die folgenden 30 Jahre und verschafften der MAN internationale Anerkennung. In den Jahren 1913 und 1914 beschaffte die Nürnberg-Fürther Straßenbahn insgesamt 50 Beiwagen der Reihe 1000 von MAN (mechanisch) und SSW (elektrisch). Diese prägten das Stadtbild Nürnbergs vor dem ersten Weltkrieg.  
     
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  Zwei Beiwagen der Serie 1000 hinter einem Triebwagen der Reihe 600 am Wodanplatz (heute Platz der Opfer des Faschismus). Beide Fahrzeugserien prägen das Stadtbild Nürnbergs bis in die 1950er Jahre hinein. Aufnahme um 1930.   Drei-Wagen-Zug, 1921 neben dem Bahnhof Muggenhof der Ludwigseisenbahn.  
     
  Die eleganten Wagen waren rund 10 Meter lang. Im Gegensatz zu den Triebwagen besaßen sie keinen Lüftungsaufbau mit Fenstern am Dach, sondern aus Gewichtsgründen ein einfaches Tonnendach. Besonders war auch die Innenausstattung: Erstmals wurden Sitze quer zur Fahrtrichtung angeordnet. Um dennoch stets in Fahrtrichtung sitzen zu können, konnten die Lehnen umgelegt werden. Ein Großteil der originalen Bestuhlung ist noch erhalten und wird wieder in den Beiwagen 1023 eingebaut.  
     
  Die Beiwagen der Reihe 1000 wurden während ihres Einsatzes im Linienbetrieb mehrfach umgebaut. Die anfangs detaillierte Jugendstillackierung wurde in den 1920er-Jahren vereinfacht, in den 1940ern wurden einige Wagen beige lackiert.
Nach der Währungsreform im Jahr 1948 konnte die Nürnberg-Fürther Straßenbahn aus Geldern des Wirtschaftswiederaufbauprogramms der USA, dem Marshall-Plan, neue Beiwagen beschaffen – das Ende der 1000er-Beiwagen war damit eingeläutet. Der letzte Beiwagen wurde am 6. November 1961 aus dem Liniendienst genommen und verschrottet. Beiwagen 1023 wurde im Jahr 1959 noch zum Arbeitswagen A404 für die „Waschkolonne“ umgebaut. Auch er wurde später verschrottet.
  B02 Geschichte 20160714 BW1023 Untergestell  
      Das noch erhaltene passende Fahrgestell soll als Basis für den Wiederaufbau dienen.  
  Im Jahr 2014 gelang es, ein passendes historisches Fahrgestell eines Beiwagens sicherzustellen. Abweichend von der Serie besaßen die Fahrzeuge 1022 und 1023 Einzel-Lenkachsen, die im Jahr 1946 durch starre Untergestelle der Baureihe 1100 ersetzt wurden. Da es sich bei dem heute noch vorhandenen Untergestell um ein solches handelt, dient es nun als Basis für den Wiederaufbau des historischen Beiwagens 1023.      
         
  Seit 2015 werden seitens unseres Vereins intensive Anstrengungen unternommen, die Rekonstruktion des Beiwagens 1023 zu ermöglichen. Ziel ist es, die geschichtliche Lücke in der Sammlung der historischen Nürnberger Straßenbahnwagen zu schließen.
Der Beiwagen wird nach seiner Restaurierung zusammen mit dem erhaltenen Triebwagen 701 (Baujahr 1913) als fahrender Zeitzeuge die Nürnberger Industrie- und Stadtgeschichte "erfahrbar" machen.
 
         
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  Aufnahme des nahezu baugleichen Beiwagens 1031, aufgenommen kurz nach dem ersten Weltkrieg um 1920.   Innenansicht eines 1000er Beiwagens mit den typischen Quersitzen mit umlegbarer Rückenlehne.  
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